Russische Feiertage

Weihnachten
Weihnachten feiern die russisch-orthodoxen Christen am 7. Januar als Fest der Erscheinung des Herrn. Dies hängt in Russland damitzusammen, dass der Julianische Kalender für die Zeitrechung verwendet wird. Da in Russland nach der Oktober Revolution 1917 viele religiöse Feste, wie auch Weihnachten nicht mehr gefeiert wurden, sind einige Bräuche in Vergessenheit geraten. Erst seit 1991 der Tag zum offiziellen Feiertag erklärt wurde, wird in Russland Weihnachten wieder gefeiert. Allerdings werden an diesem Tag normalerweise keine Geschenke verteilt, diese bringt „Väterchen Frost“ Geschenke bereits am 31. Dezember! Olga und ihre Mutter, die Zarin Alexandra, begingen an Weihnachten außerdem ein ganz spezielles Ritual, die so genannten „Armenweihnachten“. Dabei besuchten sie Armen- und Waisenhäuser der Stadt und verteilten kleine Geschenke. Diesen wohltätigen Brauch behielt Olga auch in ihren Stuttgarter Jahren bei.

Jahreswechsel - Silvester
So wie bei uns der Weihnachtsmann unterwegs ist, kommt in Russland in der Silvester-Nacht “Väterchen Frost“. Er hat einen dicken Eiszapfen, der ihm als Zauber- und Wanderstab dient, trägt einen langen roten Mantel mit Pelzkragen, breiten Gürtel und eine typisch russische Pelzmütze“ und lässt Geschenke zurück. Begleitet wird er von seiner Enkelin Snegurotschka (auf Deutsch Schneemädchen oder Schneeflocke) und von einem Jungen, der „Neujahr“ heißt. Snegurotschka ist eine junge schöne Frau und symbolisiert das zu Eis gewordene Wasser. Der Silvester-Abend wird in vielen russischen Familien zu Hause mit Verwandten und Freunden an reich gedeckter Tafel verbracht. Um Mitternacht wird das neue Jahr mit einem großen Feuerwerk begrüßt und die Korken knallen. In Russland geht die Silvester-Party erst nach Mitternacht richtig los und die jungen Leute feiern dann oft mit Freunden weiter.

Ostern
Ostern ist in Russland das schönste und größte religiöse Fest und wird sogar noch prächtiger als Weihnachten gefeiert. Hintergrund ist nicht nur die Christi Auferstehung, sondern auch die jahrhundertlange Tradition, dass Ostern die Seele und die Gedanken säubert und jedem Frieden bringt. Da mit der Osternacht auch die Fastenzeit endet, wird mit der Familie groß gefeiert. Auf der Festtafel finden sich unter den vielen Köstlichkeiten traditionellen Osterspeisen, wie das Kulitsch (ein Osterbrot), Paskha (ein spezieller Quarkkuchen) und farbige Eier. Traditionell sind diese meist rot gefärbt. Nach alten Glauben soll das Festessen mit seinen Nächsten geteilt werden und so besucht man sich gegenseitig nach dem Frühstück.

Traditionell beginnt in der Karwoche der große Frühjahrsputz. Dies geht auf den Brauch zurück, sich vom Bösen zu säubern und das Haus vom Winterschmutz zu reinigen um Krankheiten und Unglück fernzuhalten. Danach werden Osterbrote gebacken. Am Donnerstag werden meist die Eier gefärbt und samstags die Osterkuchen bereitet.

Obwohl der Ostergottesdienst am Abend vor Ostersonntag meist erst um halb zwölf Uhr in der Nacht beginnt und stundenlang bis in die frühen Morgenstunden am Ostersonntag dauert, versammeln sich festliche gekleidete Menschen bereits am frühen Samstagabend in der Kirche, um einen der wenigen Sitzplätze zu ergattern. Von den restlichen Gottesdienstbesuchern, die stehen müssen, wird dann ein langes Durchhaltevermögen abverlangt. Das frühe Aufsuchen der Kirche beruht auf der Tradition, dass man früher geglaubt hatte, in der Nacht vor Ostern seien die Teufelskreaturen besonders böse. Als einziger sicherer Zufluchtort galt die Kirche. Zum dem Ostergottesdienst werden Osterkuchen und Eier zum Weihen in die Kirche mitgenommen. Auf fremde Besucher wirkt der Ostergottesdienst fast mystisch, denn gegen Mitternacht erscheinen die Priester am Altar mit dem Kreuz und großen Kerzen in der Hand, spricht die magischen Worte „Christus ist auferstanden“ und die Gläubigen antworten “Fürwahr, er ist auferstanden“ . Der Kreuzgang beginnt und der Geistliche geht durch die Kirche in Richtung Ausgang. Kerzen werden von allen angezündet und folgen der Prozession, die einmal um die Kirche führt. Anschließend wird der Gottesdienst fortgesetzt. Mit Ende des Ostergottesdienstes am frühen Morgen fordert der Priester alle auf, sich zu umarmen, zu küssen und gegenseitig zu verzeihen. Im Familienkreis wird dann Ostern gefeiert.

Auch ist es üblich, an Ostern zu den Friedhöfen zu gehen und den verstorbenen Angehörigen ein wenig Brot, Eier und Bier zu bringen und am Grab der Angehörigen ein Gläschen Wodka zu trinken.

Ostereier
In Russland werden die Eier vorwiegend traditionell rot gefärbt. Dies hat den Hintergrund, dass die Farbe Rot einst mit der Sonne identifiziert wurde. Da die Menschen die Sonne als Symbol der Lebenserneuerung nach einem langen Winter preisten und die Auferstehung Christi auf die Tage des Frühlingsfestes fiel, war die Farbe Rot von starker Symbolkraft.  Die gefärbten Eier wurden in der Kirche geweiht. Diesen geweihten Eiern wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben. So sollten sie zum Beispiel das Haus gegen böse Geister schützen oder übers Gesicht gerollte Ostereier sollen junges Aussehen verleihen. Daher wurden früher die gefärbten und geweihten Eier oft als Glücksbringer ein ganzes Jahr aufbewahrt. Im Gegensatz zu anderen österlichen Brauchtümern werden in Russland die Eier nicht versteckt und gesucht, sondern bei den österlichen Besuchen an jeden Verwandten und Bekannten verschenkt.

So entstand einst auch die Idee, Eier aus anderen Materialien wie Holz oder Porzellan herzustellen und diese schön zu verzieren. Zu den berühmtesten, aber auch teuersten Ostereiern zählen die vom Juwelier Peter Karl Fabergé gefertigten Ostereier, die von Zar Alexander III 1885 erstmals als Geschenk für seine Frau Maria Fjodorowna in Auftrag gegeben wurden.